„Ärzte ohne Grenzen“ leistet in 76 Ländern medizinische Nothilfe. Der Verein ist unabhängig, unparteilich und finanziert sich nur durch Spenden. „Wir behandeln jeden Menschen, der in Not geraten ist, egal von welcher Religion oder von welcher Kriegspartei er kommt“, erklärt Dr. Laila Schmidt, die beim „Hebel-Treff“ im Hebel-Gymnasium von ihrer beeindruckenden Arbeit berichtete.
Diese Neutralität gibt den Ärzten ohne Grenzen ein hohes Ansehen und garantiert auch eine gewisse Sicherheit, nicht angegriffen zu werden.
Fünf Mal war die 51jährige Schwetzinger Anästhesistin bereits für jeweils zwei bis drei Monate im Ausland, beispielsweise im Jemen oder im Kongo. Neben der basismedizinischen und chirurgischen Versorgung oder der Hilfe bei Tropenkrankheiten wie Malaria ist vor allem die Geburtshilfe ein großes Aufgabengebiet. Frauen müssen manchmal bis zu acht Stunden zu Fuß laufen, um zu einer Geburtshilfe zu kommen.
Das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ soll die dortigen Mediziner ausbilden, Nothilfe oder Eingriffe selbst vorzunehmen. Wenn die Medizinerin vor Ort Hilfe leistet oder mit dem dortigen Personal trainiert, muss oft improvisiert werden. Da dient dann auch einmal eine Luftblase aus einem Volleyball als Übungsgerät die Herzdruckmassage.
Ein trauriges Problem sind die ausgegrenzten Frauen: „Die größte Kriegswaffe sind Massenvergewaltigungen. Wenn ein Dorf von Rebellen überfallen wird, werden die Frauen vergewaltigt. Dadurch sind sie von der Gesellschaft verstoßen.“ Frauen zu stärken und sie wieder durch eine Ausbildung ins Leben zu integrieren, ist ebenfalls ein wichtiges Zeil der Menschrechtsorganisationen. Männern und Kindern geht es nach einem Überfall nicht besser: Sie müssen in Minen arbeiten. Kongo hat das größte Coltanvorkommen der Welt – das Erz Coltan wird in Handys gebraucht.
Der Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“ habe sie dankbarer gemacht, erzählt selbstlose Medizinerin. Als Fünfjährige hatte sie von Albert Schweitzer gehört und schon damals gesagt, sie wollen mal „Ärztin für die schwarzen Babys“ werden. Als Anästhesistin arbeitet Laila Schmidt im „Alltag“ in der Schweiz auch als Notfallmedizinerin – sie fliegt dann im Helikopter zu den Bergunfällen. Zum Abschluss des Hebeltreffs wurde sie gefragt, wo sie als Nächstes hinmöchte: „Wieder in den Kongo, weil ich da ein Patenkind aufgenommen habe. Und nach Afghanistan.“
Birgit Schillinger
