12.07.21

Soli-AG zeigt Film „Wir sind jetzt hier“

„Deutsch ist eine so trockene, harte Sprache – ich musste immer ein Glas Wasser trinken, wenn ich Deutsch sprechen übte“, erklärt Hasib aus Afghanistan. Inzwischen spricht er fließend und kann über seine anfänglichen Versuche schmunzeln. 

Der junge Mann war zunächst in einem Lager untergebracht. Dann haben ihn Niklas Schenck und Ronja von Wurmb-Seibel, ein deutsches Filmemacher-Paar, als Pflegesohn aufgenommen. Durch ihn haben sie gesehen, mit wie vielen Vorurteilen Flüchtlinge konfrontiert werden.

Eine andere Perspektive zu zeigen, war die Motivation des Films „Wir sind jetzt hier“. „Wir haben festgestellt, dass sich unsere Erfahrung mit Hasib so überhaupt nicht deckt mit dem, was in vielen Medien mit dem Bild von jungen männlichen Geflüchteten transportiert wird. So kam die Idee auf, sieben junge Männer selbst erzählen zu lassen, was sie erlebt haben“, erklärt Regisseur Schenck. Mit direktem Blick in die Kamera sprechen die Männer aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Eritrea und dem Irak, die seit 2015 in Deutschland leben, über das Ankommen in Deutschland. Sie berichten von ihren Schwierigkeiten und ihren Ängsten, Wünschen und Träumen. Besonders zermürbend sei das Warten auf den Bescheid, dass sie bleiben dürfen, gewesen. Zwei bis drei Jahre dauert dieses Warten oft: ohne arbeiten zu dürfen und mit der ständigen Sorge, morgen im Briefkasten die Nachricht über die eigene Abschiebung zu finden.

Gezeigt werden Beispiele für mustergültige, gelungene Integration. Alle Männer können sich eloquent mit Humor und Charme ausdrücken und haben Arbeit gefunden. Sie können darüber lachen, dass nun ihr Lieblingswort „Feierabend“ ist. Azim lächelt immer in die Kamera, er wünscht sich: „Dass die Menschen mir vertrauen.“

Im Hebel-Gymnasium hat die Soli-AG unter der Leitung von Henning Hupe die Oberstufe eingeladen, den Film zu schauen und anschließend mit dem Regisseur, einem Protagonisten (die zugeschaltet waren) sowie mit Chi Dung Ngo und dem Schwetzinger Integrationsbeauftragten Markus Liu-Wallenwein zu diskutieren. Liu-Wallenwein schilderte kurz die Schwetzinger Situation der 60 jungen Männer im Atlanta-Hotel. Ngo war mit 16 Jahren als Boat-People aus Vietnam vor den Kommunisten geflohen, hat in Schwetzingen eine Heimat gefunden – und seine Töchter machen nun am Hebel Abitur.

Birgit Schillinger