„Emily, bist du eine Ecke?“, fragt die Klassenkameradin. Alle Mitschüler haben die Augen verbunden, haben ein langes Seil in der Hand und müssen sich blind so aufstellen, dass das Seil insgesamt ein gleichseitiges Dreieck bildet. Dieses Teamtraining ist Teil der Theaterpädagogik, die die achten Klassen zur Zeit am Hebel-Gymnasium erleben.
Joerg Mohr, Leiter des „Theater am Puls“, und sein Team kommen in die Klasse und stellen Aufgaben, die nur durch Teamarbeit zu lösen sind. Dabei zeigen sich Stärken und Schwächen der Klassengemeinschaft. Im Nachgang kann dann der Klassenlehrer die sichtbar gewordenen Probleme besprechen und aufarbeiten.
Die erste Aufgabe besteht darin, einen Turm aus Holzklötzen zu bauen, die mit einem Haken aufgehoben werden müssen. Der Angelhaken wird über die Spannung der Schnüre gesteuert, die die Schüler in der Hand haben. Auch das gemeinsame Laufen mit dem Schnurnetz klappt nur, wenn die Schüler ihre Bewegungen genau koordinieren.
Bei der zweiten Aufgabe sind die Augen verbunden. Die Absprachen müssen präzise sein. „Es wäre schlau, wenn wir erst einmal die beiden Enden zusammenbringen“, schlägt eine Schülerin vor. „Und dann die Seitenlängen mit Schritten abmessen.“ Aber wehe, wenn Kandidaten nicht zuhören oder ihren eigenen Willen durchsetzen. Dann wird es nichts mit dem zu bildenden gleichseitigen Dreieck.
Die Schüler erleben zunächst Frustration durch Fehlversuche. Dann versuchen sie, gemeinsam eine Strategie zu finden, und werden mit Erfolgsgefühlen belohnt, wenn sie nicht aufgegeben, sondern sich durchgekämpft haben. Wenn das kein gutes Training für das (Schul-)Leben ist.
Birgit Schillinger

