20.09.26

Von der Präzision der Mathematik lebenslang begeistert – Renommierter Preisträger spricht mit Schülern im Hebel-Gymnasium

„Das waren die interessantesten Fragen, die mir bisher bei meinen Schulbesuchen gestellt wurden“, lobt der hochkarätige Professor Leslie Lamport das Publikum im Hebel-Gymnasium. Der US-Amerikaner Lamport weilt gerade auf Einladung des Heidelberg Laureate Forums in der Universitätsstadt, um andere Preisträger und Nachwuchswissenschaftler zu treffen.

Da es keinen Nobelpreis für Mathematik oder Informatik gibt, werden andere Auszeichnungen mit vergleichbarem Ansehen verliehen, darunter der Turing Award für bahnbrechende Leistungen in der Informatik. 2013 hatte Lamport diesen renommierten Preis für sein Lebenswerk bekommen. Das Hebel-Gymnasium hatte sich um einen Schulbesuch beworben und durfte nun den berühmten Wissenschaftler empfangen.

Auch wenn Lamport den Preis für sein außergewöhnlich präzises Arbeiten und Beweisen im Gebiet der Computeralgorithmen erhalten hatte, ist er für eine andere Leistung vielen Anwendern bekannt: Er hat LaTeX entwickelt. Da in Textverarbeitungsprogrammen mathematische Formeln nur schwierig darzustellen waren, hatte der Mathematiker Donald Knuth ab Ende der 1970er-Jahre TeX entwickelt. Lamports LaTeX baut auf TeX auf. Es macht die Arbeit mit TeX einfacher und bietet fertige Befehle und Strukturen für längere Dokumente. LaTeX ist besonders beliebt bei Mathematikern, Informatikern und Naturwissenschaftlern.

Wie gewinnt man einen so angesehenen Preis? Prof. Lamport nennt zwei Wege: „Entweder du findest die Antwort auf eine sehr schwierige, bekannte Frage oder du suchst dir ein leichtes Problem, bevor es richtig berühmt ist, und löst dieses. Ich tat letzteres!“, meint er bescheiden. Er zeigte an zwei mathematischen Sätzen seinen Stil, Beweise streng formal und rigoros aufzuschreiben. Der eine Satz war zunächst überraschend und musste schrittweise bewiesen werden. Der andere war auf Anhieb plausibel. Und überraschenderweise sind beide Aussagen gleichwertig! 

Der 85jährige Wissenschaftler gab einen kleinen Einblick in die Präzision, mit der Beweise aufgeschrieben werden sollen. „Deshalb halte ich die Mathematik für das wichtigste – und einzige - Werkzeug, Probleme zu lösen. Studiert Mathe!“ Auch im Umgang mit der künstlichen Intelligenz ist es wichtig, genau formulieren zu können.   

Er ist überzeugt, dass Sprach- und Schreibfähigkeit durch Mathematik verbessert werden kann, und berichtete von einer Studie, bei der Studenten, die Schreibkurse besuchen wollten und am Eingangstest gescheitert waren, eingeteilt wurden: Die einen bekamen „Nachhilfe“ im Schreiben, die anderen in Mathematik. Schließlich schnitten die in Mathematik geschulten Studenten besser ab.

Die Hebel-Schüler stellten noch weitere spannende Fragen: Bei der philosophischen Frage, ob die Mathematik ihre Ergebnisse erfindet oder entdeckt, wollte er sich nicht auf eine Antwort festlegen. „Sind Sie im Herzen eher Mathematiker oder Informatiker?“ Auch hier lag die Antwort dazwischen, nämlich in den „zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen“.  

Birgit Schillinger

Professor Leslie Lamport, bekannt für seine Erfindung von LaTeX, war zu Gast im Hebel-Gymnasium.
Professor Leslie Lamport, bekannt für seine Erfindung von LaTeX, war zu Gast im Hebel-Gymnasium.